Frostpunk

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Vor kurzem habe mit Frostpunk endlich wieder ein Spiel entdeckt, dass mich richtig gefesselt hat. Leider schaffen das mittlerweile immer weniger Spiele und je älter ich werde, umso seltener werden so richtige Suchtphasen, wo mich ein Spiel stundenlang in seinen Bann zieht. In meiner Jugend schafften das noch mehr Spiele, ich weiß aber nicht, ob es an meinem Alter liegt oder ob die Spieler einfach immer schlechter werden. Ich glaube, es ist eine Mischung aus beidem.

Doch endlich hatte ich wieder eines gefunden: Frostpunk, eine Aufbausimulation der beklemmenden Art.

Worum geht es in Frostpunk?

In einer alternativen Erde ist irgendwann zwischen 1800 und 1900 die Erde in völliger Kälte versunken. Minusgrade bis zu 150 Grad sind keine Seltenheit und die wärmsten Tage haben erfrischende 20 Grad. Minus natürlich. Temperaturen im Plus gibt es nicht. In dieser Welt versuchen die Menschen nur noch zu überleben, deswegen sind sie von London ausgezogen und haben Generatoren gebaut, die mit Kohle betrieben werden. Rund um diese Generatoren versuchen die Leute zu überleben und sind dabei mit allerlei Schwierigkeiten konfrontiert, die man als Spieler lösen muss.

Stimmige Atmosphäre

Das Besondere an Frostpunk ist meiner Meinung nach aber nicht das Gameplay, das ist zwar auch gut, aber nicht der Punkt, der das Spiel so besonders macht. Was mich an das Spiel gefesselt hat, ist die Atmosphäre. Die ganze Welt strahlt einfach eine unglaubliche Anziehungskraft aus, ständig wird man mit moralisch schwierigen Entscheidungen konfrontiert.

Zum Beispiel ist eine der ersten Entscheidungen, die man trifft, ob man Kinderarbeit zulässt oder nicht. Dies hat enorme Auswirkungen auf den weiteren Spielverlauf, da man dadurch zusätzliche Arbeitskräfte gewinnt, die dringend gebraucht werden. Der Nachteil daran ist aber, dass sich Kinder schneller verletzen und krank werden, dann muss man zusätzliche Krankenstationen bauen und dort braucht man auch wieder Personal. Es gibt keine richtige Entscheidung und genau das macht es für mich so spannend.

Eine Flüchtlingskarawane kommt auf uns zu? Nehmen wir sie auf? Falls ja, brauchen wir zusätzliche Häuser, mehr Nahrung, gewinnen aber Arbeitskräfte. Nehmen wir sie nicht auf? Lassen wir sie einfach vor unserer Stadt sterben? Das ist für die Moral und die Hoffnung unserer Bevölkerung nicht gerade förderlich, vielleicht revoltieren meine Leute ja dann. Und wenn sie das tun, werfen sie mich im schlimmsten Fall aus der Stadt und ich habe verloren.

Spannende Szenarien

Wie man sieht, stellt einen das Spiel permanent vor schwierige Entscheidungen. Da ich aber kein großer Fan von Endlosspielen bin, habe ich bei Frostpunk vorrangig die Szenarien gespielt. Das sind keine zufällig generierten Welten, sondern man spielt ein gescriptetes Szenario und wird dort mit verschiedenen Schwierigkeiten konfrontiert. Mir haben diese Szenarien unheimlich gut gefallen, da sich jedes davon völlig anders gespielt hat. In einem Szenario hat man sogut wie keine Leute und muss versuchen, alle Fabriken mit Maschinen zu betreiben und in einem anderern Szenario wiederrum muss man sich um hunderte Flüchtlinge kümmern und hat völlig andere Sorgen als im vorigen Szenario.

Dadurch bleibt das Spiel spannend und es spielt sich nicht immer gleich. Viele Aufbausimulationen laufen ja immer nach Schema F ab, wenn man einmal eine Strategie entdeckt hat, die funktioniert, macht man diese immer wieder und gewinnt somit relativ leicht. Dadurch, dass die Szenarien aber derart unterschiedlich sind, funktioniert das nicht und man muss sich immer wieder von Neuem durchprobieren und versuchen, die Probleme in der eisigen Welt zu lösen.

Shanti in Winterkleidung beim Spielen von Frostpunk
Man sollte sich auf jeden Fall die richtige Kleidung für Frostpunk besorgen…

Mir wurde schon beim Spielen kalt

Auch der Grafikstil trägt zur Atmosphäre bei, mir wurde teilweise schon beim Zusehen kalt. Wenn es auf -80 Grad runterkühlt, niemand mehr arbeiten kann, die ganze Stadt stillsteht, alles gefroren ist. Dabei wurde mir vorm PC richtig kalt und ich habe mich beim Spielen in eine Decke gewickelt 🙂

Man versucht, einfach nur zu überleben und hofft, dass es bald wieder wärmer wird. Bei mir hat sich dabei immer ein richtig beklemmendes Gefühl in der Brust breitgemacht und das schaffen leider nur wenige Spiele. Ich habe mich beim Spielen richtig reingesteigert und mitgefühlt und habe bei manchen Entscheidungen tatsächlich mit mir selbst gerungen. Kann ich diese Flüchtlingsgruppe wirklich vor den Toren der Stadt stehen lassen und sie dem sicheren Tod übergeben? Ich habe bereits jetzt keine Nahrung, wenn ich sie aufnehme, verhungern vielleicht alle. Einige Menschen opfern, um alle Anderen zu retten? Eine schwierige Entscheidung, derartiges verlangt Frostpunk immer wieder.

Eine frostige Empfehlung

Persönlich habe ich über 25 Stunden in der gefrorenen Welt verbracht. Das mag nicht viel erscheinen, aber es waren sehr intensive Stunden. Ich war zu keiner Sekunde gelangweilt und habe das Spiel genossen. Der Endlosmodus hat mich persönlich allerdings nicht interessiert und Achievements nachjagen ist auch nicht meins, daher habe ich nur die Szenarien gespielt und den Endlosmodus einmal ausprobiert.

Ich mag bei Spielen einfach ein klares Ziel vor Augen haben. Daher waren die Szenarien für mich perfekt. Aufbausimulationen bieten eigentlich immer einen Endlosmodus, aber dieser hat mich noch nie begeistern können. Spielen um des Spielens willen, da fehlt mir einfach was. Aber ich habe den Endlosmodus trotzdem einmal probiert und er hat auch Spaß gemacht, aber sobald erst einmal die Anfangsprobleme gelöst sind, geht man eigentlich immer gleich vor, das macht diesen Modus für mich persönlich einfach uninteressant.

Frostpunk hat mich trotzdem emotional berührt und das schaffen nur wenige Spiele. Allerdings sollte man sich beim Spielen warm anziehen, da es kalt wird. Sehr kalt. So richtig kalt. Brrrrrr.

About Shanti

mag lange, sehr verschachtelte Texte, die intelligent klingen sollen. Gelingt ihm allerdings nicht immer. Also, dass die Sätze intelligent klingen. Wenn er nicht gerade dabei ist, verwirrende Satzkonstruktionen zu bauen, vertreibt er sich seine Zeit mit diversen Dingen wie Zocken, Lesen (es gibt tatsächlich noch Leute die Bücher lesen, man mag es kaum glauben), Serien schauen oder auch technischen Dingen, wie diesen Blog zu betreuen. Großteils verantwortlich für die Kategorie Random Stuff, da sein Hirn voll mit schwachsinnigen Ideen ist, die nach außen drängen.

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