Kapitel 1 Teil 3 – Das erste Treffen

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Unruhig und nervös saß Conlai Eichenblatt in seiner Stammkneipe „zur Kornstubn“. Er hatte einen runden Tisch in der Mitte der Schänke gewählt, sodass er gut sichtbar sein würde für jeden der das Gasthaus betrat. In wenigen Minuten könnte es soweit sein. Falls irgendjemand die von ihm ausgesandten Gesuche gelesen und darauf reagiert hatte, würde jeden Moment die Tür der Schänke aufgehen und es würde jemand hereintreten der bereit dazu wäre, für Conlai den Kosch zu beschützen und den Gefahren Einhalt zu gebieten.

Neben ihm begann eine Bardin damit, ihre Laute zu stimmen. Sie bereitete sich für eine weitere abendliche musikalische Darbietung vor. Da die Kornstubn meist gut besucht und viele Gäste von ihren Lautenklängen begeistert waren, hatte die Musikerin jeden Abend ein recht großes Publikum. Dank der Tatsache, dass viele ihrer Hörer mit steigendem Alkoholkonsum ihre Börsen lockerten, konnte sie die Schänke an so manchen Abenden mit einer beträchtlichen Menge an Hellern verlassen. Conlai sah ihr bei den Vorbereitungen der abendlichen Unterhaltungsmusik zu und dabei schweiften seine Gedanken zu einer anderen Bardin ab. Eine, die vor vielen Jahren auch jeden Abend in der „Kornstubn“ ihr musikalisches Talent zur Schau gestellt hatte. Sie hatte viele Bewunderer gehabt und beinahe das halbe Dorf kam regelmäßig in das Wirtshaus, nur um sie spielen zu hören. Somit war es ihr möglich, für sich und ihren kleinen Sohn den Lebensunterhalt zu verdienen. Unermüdlich hatte sie Stücke geschrieben und komponiert. Mit vollem Herzblut hatte sie für die Menge gesungen, Laute gespielt und manchmal sogar getanzt. Die Menschen waren von ihr begeistert gewesen. Er hatte es geliebt, seiner Mutter beim Spielen zuzusehen, dabei Kekse von der Wirtin zu verspeisen und den einen oder anderen Schluck Bier von manchen Gästen gereicht zu bekommen.

Nachdem er es sich für eine kurze Zeit erlaubt hatte in seinen Erinnerungen zu schwelgen, holte er sich beinahe gewaltsam wieder in die Gegenwart zurück und zwang sich den Blick von der Bardin, die ihn viel zu sehr an seine Mutter erinnerte, abzuwenden.

Heldenpfade - Ein Portrait von Conlai Eichenblatt
Ein Portrait von Conlai Eichenblatt

Die Stunde des Firun nahte. Der in die Jahre gekommene Mann wurde immer unruhiger, fast unmerklich rutschte er auf seinem Stuhl hin und her. Seine rechte Hand, welche er um seinen Bierkrug gelegt hatte, zitterte und mit der Linken zwirbelte er hektisch an seinem grauen Bart. Conlais mit der Zeit trüber gewordene, braunen Augen waren an die Eingangstür geheftet. Es kam ihm vor als hätte er eine halbe Ewigkeit in dieser Position verharrt, als die Tür der Schänke tatsächlich aufschwang und ein junger Mann das Gasthaus betrat.

Der erste Abenteurer

Ein großgewachsener Bursche betrat das Gebäude. Er hatte schulterlange braune Haare, einen wachsamen Blick und eine recht angespannte Körperhaltung. Die Augen des Fremden glitten forschend in dem Gebäude umher. Als sein Blick kurz auf Conlai verharrte, deutete dieser ihm mit einer Geste an seinen Tisch zu treten. Er folgte der Geste und kam auf Conlai zu. Je näher der argwöhnisch blickende Jüngling kam, desto deutlicher konnte Conlai seine Konturen erkennen. Er schien in der Tat noch recht jung zu sein, er schätzte ihn auf höchstens 20 Jahre. Sein Gesicht und sein Körper wirkten sehr stattlich und muskulös. Seine Schultern waren straff und sein Kinn leicht nach vorne gereckt. Conlai fühlte sich durch diesen Anblick sofort an seine Zeit als Söldner zurück erinnert. Er dachte daran, wie sie alle noch grün hinter den Ohren waren und dennoch bereits der Meinung waren, sie könnten die Welt vor sämtlichen Ungeheuern beschützen. Der junge Fremde blieb misstrauisch blickend vor dem Tisch stehen. „Bist du Conlai?“ fragte er nur knapp. Conlai bestätigte ihm seine Frage und bat ihn, sich zu ihm zu setzten. Er tat wie ihm geheißen. „Mein Name ist Lucan“ stellte er sich vor.

Kaum hatte er sich bei Conlai vorgestellt, wurde die Eingangstür auch schon ein zweites Mal geöffnet. Ein weiterer junger Mann betrat die Schänke. Seine langen schwarzen Haare wie auch der beachtliche schwarze Ziegenbart stachen einem schon aus der Weite ins Auge. Sein Blick wirkte verhärmt. In seiner rechten Hand hielt er eine Pfeife. Er hob sie an den Mund, zündete sie an und machte einen tiefen Zug daraus. Dabei blickte auch er sich kurz in dem beschaulichem Wirtshaus um, bis er schließlich Conlai und Lucan an dem Tisch erblickte und auf sie zutrat. Conlai bat auch ihm einen Platz am Tisch an. Der Schwarzhaarige nahm das Angebot an und setzte sich mit einer fließenden Bewegung zu ihnen. Er wählte einen Stuhl direkt neben dem, auf dem Lucan Platz genommen hatte. Der Ziegenbärtige wirkte ebenfalls jung, kaum älter als sein Sitznachbar. Conlai hätte ihn auf Anfang bis Mitte 20 geschätzt. Sein Blick und seine gesamte Haltung wirkten angespannt. „Wilkommen in unserer kleinen Runde“ begrüßte ihn Conlai. „Mein Name ist Conlai, und wer seid Ihr? Der Neuankömmling schien kurz zu überlegen, bevor er antwortete: „Ich bin Argon Pyros“ sagte er schließlich.

Unmittelbar nachdem sich Argon vorgestellt hatte, betrat auch schon der nächste junge Mann mit erwartungsvollem Blick das Gebäude. Bereits auf den ersten Eindruck wirkte er ganz anders als seine beiden Vorgänger. Er machte weder einen angespannten, noch einen misstrauischen Eindruck. Ganz im Gegenteil. Der durchaus recht große und muskulöse Neuankömmling wirkte offen und neugierig. Als er die kleine Runde erblickte kam er auch schon erwartungsvoll auf sie zu. Auch er wurde von Conlai an den Tisch gebeten. Schnell kam er ihnen entgegen und nahm neben Argon Platz. Seine Körpersprache verriet Aufregung wie auch Unsicherheit, die er jedoch zu verstecken versuchte. Er schien ebenfalls noch recht jung zu sein. Abermals sprach Conlai seine Begrüßungsworte. Der dritte Mann im Bunde stellte sich mit dem Namen Frumold vor.

Heldenpfade - Die Kornstubn
Auch für Speis und Trank ist gesorgt in der Kornstubn

Nun als Conlai den drei erwartungsvoll blickenden Männern gegenüber saß, war er sehr froh und stolz darauf, mit seinem Gesuch drei Menschen erreicht zu haben, die bereit dazu waren, ihn bei seinem Vorhaben zu unterstützen. Er wollte bereits damit anfangen, sich ausführlich vorzustellen und eine kleine Begrüßungsrede abzuhalten, als die Eingangstür abermals aufschwang.

Dieses Mal betraten gleich drei junge Leute die Kornstubn, ein Mann und zwei Frauen. Die Drei blickten sich neugierig um. Conlai fielen sofort die Augen des Mannes der kleinen Gruppe auf. Sein Blick war durchdringend und auch etwas beunruhigend. Conlai bekam eine leichte Gänsehaut, dennoch winkte er die drei sogleich zu sich an den Tisch. Als sie sich näherten, betrachtete er sie eingehend.

Der Mann mit dem stechenden Blick hatte unnatürlich nah zusammen stehende grüne Augen, kurze braune Haare und einen leichten braunen Flaum auf dem Kinn, welcher sich wohl bald zu einem Bart entwickeln würde. Die beiden Frauen sahen gänzlich verschieden aus. Die eine hatte eine braune Lockenmähne auf ihrem Kopf und ihre Augen wirkten freundlich. Ihr Lächeln, wie auch ihr Gang, strahlten eine fröhliche Unbekümmertheit aus. Die andere Frau wirkte eher zurückhaltend und vorsichtig. Sie trug eine Kapuze, was es Conlai erschwerte, sich einen umfassenden Ersteindruck von ihr zu machen. Er konnte jedoch schwarze Haare unter der Kapuze erkennen. Außerdem fielen ihm ihre eisblauen Augen auf, welche zugleich vertraulich wie auch bedrohlich aufblitzten.

Das Trio nahm an dem Tisch platz. Die beiden Frauen setzten sich neben Frumold. Der Mann nahm den letzten freien Platz an dem runden Tisch zwischen Conlai und Lucan ein. Zum wiederholten Male stellte sich Conlai vor. Der Mann mit dem stechenden Blick teilte ihnen mit, dass sein Name Dorian sei. Die Frau mit der Lockenmähne nannte sich Frida vor und die mysteriöse Frau mit der Kapuze trug den Namen Inaya.

Ein Tisch voller Abenteurer

Nun war die Runde komplett. Conlai betrachtete seine zukünftigen Streiter für die Gerechtigkeit noch einmal ausführlich. Sein Blick schweifte dabei von rechts nach links. Dorians Augen beunruhigten ihn nach wie vor. Sie waren asymmetrisch und wirkten stechend und durchdringend, wie er es noch nie zuvor bei jemanden gesehen hatte. Abgesehen davon machte der junge Mann jedoch einen recht authentischen und vertrauenswürdigen Eindruck. Conlais Blick wanderte weiter zu Lucan. Der Jüngling wirkte auf den alten Mann sehr angespannt und ernst, so als hätte er in seinen jungen Jahren bereits vieles erlebt, dass ihn stark, aber auch misstrauisch anderen gegenüber gemacht hatte. Als nächstes schweiften die Augen des alten Mannes zu Argon. Auch ihm sah man an, dass er schon vieles erlebt und durchgestanden hatte. Dementsprechend machte auch er einen eher verhärmten und misstrauischen Eindruck. Doch da war noch mehr. Aus seinen Augen blitzte etwas seltsam verrücktes….wohlmöglich der Wahnsinn. Conlais Magen verkrampfte sich leicht und er hoffte, dass dieser junge Mann keine Probleme machen würde. Daneben saß Frumold. Aus ihm sprach die Abenteuerlust und der Tatendrang. Er hatte nichts Negatives an sich oder etwas, dass er zu verstecken versuchte. Bis auf eine leichte Furcht, die er sich aber vermutlich selber nicht eingestehen wollte. Neben Frumold hatte Frida Platz genommen. Von ihr strahlte Wärme aus. Sie wirkte wie ein Mensch, dem man sofort vertraute und alles erzählen wollte. Doch realisierte Conlai ganz klar die Furcht und das Unbehagen in ihren Augen und in ihrer verkrampften Sitzhaltung. Frida sah mit spürbarem Unbehagen auf die stetig größer werdende Menge an Gästen in der Kornstubn. So viele Menschen war sie wohl nicht gewohnt. Conlai schlussfolgerte, dass diese junge Frau eher isoliert aufgewachsen sein musste. Das letzte Mitglied der Gruppe schien sich eher noch verborgen halten zu wollen. Sie gab sich Mühe, ihre Körperhaltung und ihren Gesichtsausdruck so weit wie möglich neutral zu halten. Die Kapuze wurde nicht abgelegt, auch nicht als sie am Tisch saß.

Als er sich einen kurzen Ersteindruck von den Mitgliedern seiner neuen Runde an potentiellen Abenteurern gemacht hatte, saß er sich so aufrecht wie möglich hin, holte tief Luft und begann zu sprechen.

About Kessy

ist Pflegekraft, Musikerin, Zockerin, aber vor allem ist sie eine Träumerin, die in ihrer eigenen kleinen Welt lebt. Auf Mittelalterfesten mutiert sie gerne mal zu einer Elfe. Ihre Lieblingstiere sind Drachen und Einhörner. Wenn sie liest, dann sind das meist Fantasy-Romane. Um andere Leute an ihrer Fantasie-Traum-Welt teilhaben zu lassen, schreibt sie Geschichten und Abenteuer im Reich des schwarzen Auges.

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