Kapitel 1 Teil 7 Ein Sturm zieht auf

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Conlais Stirn lag in Falten. Mit seiner rechten Hand strich er gleichmäßig seinen Bart entlang, während er nachdenklich von einem Ende der Hütte zum anderen hin und her stapfte. Die sechs jungen Leute, in die er so viel Vertrauen steckten musste, obwohl er sie kaum kannte, saßen um seinen alten Holztisch herum und füllten beinahe die halbe Behausung aus. Es war klar ersichtlich dass dieses Gebäude nicht für so viele Mensch ausgelegt war. Frida, Inaya, Dorian, Lucan, Argon und Frumold waren im Laufe des Tages unterwegs gewesen um für Conlai Hinweise zu sammeln, damit die Diebstähle der letzten Wochen in Altenbrück aufgeklärt werden konnten. Sie erstatteten Conlai über alles Bericht.

Sie erzählten ihm von der Jägerin Boronya, von der sie sehr plötzlich wieder hinaus komplimentiert worden sind. Boronya verdächtigte den den Elfen die Wertgegenstände der Bewohner entwendet zu haben, wie so ziemlich jeder andere Dorfbewohner es tat. Die jungen Abenteurer erzählten ihm auch von den Beobachtungen des Elfen, dass sich die Wirtin des nachts ins Haus der Jägerin schlich und die Jägerin öfter als sonst das Dorf aufsuchte. Conlai dachte an Gudele, die er kannte seit sie ein neugeborenes Baby war. Es fiel ihm äußerst schwer sich vorzustellen dass die Zwergin tatsächlich etwas mit der Sache zu tun haben könnte. Doch überraschte es ihn auch nicht komplett, dass ihr Name im Zusammenhang mit verschwundenen Wertgegenständen fiel. Gierig war Gudele schon immer gewesen.

Conlais Hütte
Conlais Hütte, etwas abseits des Dorfes

„Wir sollten Gudele fragen, was sie dazu zu sagen hat.“, schlussfolgerte Conlai, nachdem sie alle fertig erzählt hatten. Er blickte jedem seiner Gäste ins Gesicht und sah die Entschlossenheit darin. Also machten sie sich alle gemeinsam auf den Weg in die Kornstubn um noch einmal mit der Wirtin zu sprechen.

Nachforschungen in der Kornstubn

Langsam brach der Abend heran, als sie die Schenke betraten. Es herrschte bereits reges Treiben. An vielen Tischen saßen Feldarbeiter mit einem Humpen Bier und einer dampfenden Schale Eintopf vor ihren Nasen. Conlai und die Abenteurer blickten sich um, doch auf Anhieb konnten sie Gudele nirgends entdecken. Also nahmen sie an einem der wenigen noch freien Tische auf der rechten hinteren Seite des Wirtshauses platz.

Die Sieben saßen einige Minuten um den runden Tisch herum, als eine hübsche, junge Frau auf sie zukam. Sie hatten die Kellnerin bereits am Vorabend des Öfteren vorbei huschen sehen. Etwas auser Atem trat sie hektisch an den Tisch und begrüßte ihre kürzlich eingetroffenen Gäste „Praios zum Gruße und einen schönen Abend die Herrschaften. Mein Name ist Rosi. Was darf ich Euch denn bringen?“ Die junge Kellnerin lachte ihnen freundlich entgegen. Sie war klein, etwa 1,60 Meter, hatte Sommersprossen im Gesicht und blondes, schulterlanges Haar, welches vor einigen Stunden wohl noch fein säuberlich durch den Haarreif den sie trug, nach hinten gehalten wurde. An den wirren Haarsträhnen, die lose in ihr Gesicht hingen und der verrutschten Schürze welche die junge Frau locker um die Hüfte trug sah man ihr an, dass sie viel zu tun hatte. Conlai lächelte sie großväterlich an und begann als erstes zu sprechen. „Guten Abend Rosi, es freut uns dich zu sehen. Wir würden dich aber dennoch darum bitten, Gudele zu uns zu schicken. Wir möchten sie gerne ein paar Dinge fragen.“ Rosi blickte peinlich berührt auf den Boden. „Es tut mir leid aber Gudele ist heute Abend noch nicht erschienen. Sie ist weder im Gästebereich, noch in den Schlafräumen, noch in ihrem eigenen Zimmer. Das sieht ihr überhaupt nicht ähnlich.“ Rosi blicke jeden einzelnen der Gruppe mit einem entschuldigenden Blick an. „Darf ich einstweilen Eure Bestellung aufnehmen?“ Die gesamte Tisch-Besetzung sah sich zunächst kurz mit einem skeptischen Blick gegenseitig an und dann bestellten sie alle jeweils einen Krug Bier und eine Schale Eintopf.

Nun wirkten die Falten auf Conlai‘s Stirn noch tiefer als zuvor, während er nachdenklich auf die Tischplatte starrte. „In all den Jahren gab es noch keinen Abend, an dem Gudele nicht hier war um ihre Gäste zu bewirten.“ nuschelte er mehr zu sich selber als zu seinen um ihn herum sitzenden Begleitern. „Und das genau an dem Abend, an dem wir Hinweise dafür gefunden haben, dass sie an den Diebstählen beteiligt sein könnte.“ fügte Frida hinzu und sah verschwörerisch in die Runde.

Sonnenuntergang im Kosch
Während die Helden in der Kornstubn verweilen, neigt sich der Tag dem Ende zu.

Als die Abenteurer noch damit beschäftigt waren sich darüber den Kopf zu zerbrechen was dies wohl zu bedeuten hatte, schwang die Tür der Kornstubn auf und das Wirtshaus wurde von einem Zwerg betreten. Bereits auf den ersten Blick war jedoch klar, dass es sich bei diesem Vertreter seiner Art nicht um die Wirtin, sonder um ein männliches Exemplar handelte. Er hatte rötliche Haare, welche zu einer Art Zopf zusammengebunden waren und einen langen, roten Bart, welcher ihm bis zur Brust reichte und in dem ebenfalls Zöpfe eingeflochten waren. An seinem Körper trug er etwas, das an einen Harnisch erinnerte. Der Zwerg torkelte vielmehr als dass er ging. Seine Augen wirkten glasig und sein Blick leicht verloren. Langsam schlurfte er zu einem kleinen, freien Tisch nicht weit entfernt von dem, an dem Conlai‘s Truppe saß. „Das ist Roglom, der örtliche Schmied”, erklärte Conlai den anderem mit leicht gesenkter Stimme und sah dabei irritiert zu ihm rüber. „Wieso siehst du ihn so argwöhnisch an?” fragte Inaya. Conlai benötigte ein paar Sekunden um auf ihre Frage zu antworten „Er wirkt so verändert. Ansonsten ist er aufgeweckt und begrüßt jeden den er kennt, bevor er sich an den Tisch setzt.” Im nächsten Moment wirkte es, als versuche Conlai seine Irritation abzuschütteln. „Vermutlich ist er nur überarbeitet. Seit der Schmied im Nachbarort seinen Betrieb geschlossen hat, muss Roglom wohl noch viel mehr Kunden als früher zufrieden stellen.”

Der merkwürdige Schmied

Die Zeit verging langsam. Einige Dorfbewohner verließen die Schenke, andere betraten sie, um sich nach einem langen Arbeitstag mit ein paar Humpen Bier zu belohnen. Von Gudele war nach wie vor keine Spur. Lucan hatte Conlai’s Bemerkung über den Schmied hellhörig werden lassen und so hatte er den gesamten Abend über ein Auge auf ihn. Roglom konsumierte seinen bestellten Eintopf und das Bier sehr langsam, beinahe wie in Trance. Hin und wieder wechselte sein Blick von ins Leere starrend zu nervös in der Schenke hin und her blickend. Als wäre er auf der einen Seite gar nicht wirklich anwesend und auf der anderen Seite komplett paranoid. Lucan beobachtete den Zwerg die gesamte Zeit über, bis dieser sich langsam auf bewegte und sich dazu anschickte die Schenke zu verlassen, ohne sein Bier ausgetrunken zu haben. Obwohl Conlai gerade etwas zu ihnen sagte schenkte Lucan dem keine Beachtung sondern war bereits drauf und dran von ihrem Tisch aufzustehen um dem Schmied zu folgen. Conlai blickte ihn nur verwirrt aus seinen vor Überraschung weit aufgerissenen, alten Augen an. „Irgendetwas stimmt nicht mit dem Zwerg. Ich werde mir ansehen, was es ist.” war Lucans knappe Erklärung, während er sich bereits auf den Ausgang zu bewegte. „Ich komme mit”, meinte Dorian knapp und erhob sich ebenfalls. Genervt sah Lucan über die Schultern zu ihm zurück. „Das ist nicht notwendig. Ich gehe meiner Spur alleine nach” Dorian begegnete seinem Blick mit Gleichgültigkeit. „Ich habe dich nicht um Erlaubnis gebeten.” Lucan’s Augen verengten sich kurz zu Schlitzen bevor er die Augen leicht verdrehte, gereizt ausatmete und schlussendlich seinen Weg Richtung der Türe wieder fortsetzte.

Überrascht und irritiert blieben die restlichen fünf am Tisch zurück. Als Rosi auf sie zukam um neue Bestellungen aufzunehmen, fragte Conlai ob Gudele denn in der Zwischenzeit eingetroffen wäre. Rosi verneinte. „Sag mir, mein Kind. Passiert es in letzter Zeit öfter dass Gudele den gesamten Abend lang wo anders ist und nicht in der Schenke erscheint?” Rosi schien kurz zu überlegen, bevor sie stotternd antwortete: „Nein. Nein ansonsten ist sie immer rechtzeitig hier, wenn die Abendgäste eintreffen. Sie…Sie verspätet sich ansonsten niemals.” Conlai nickte knapp und symbolisierte der Kellnerin damit, dass er keine weiteren Fragen an sie habe. Als Rosi ihren Tisch wieder verließ, blickte sie im Gehen noch einmal kurz und argwöhnisch über die Schultern zu Conlai’s Tisch zurück.

Annäherungsversuche

Argon hatte einen Verdacht, doch war er sich noch nicht darüber im Klaren, wie er diesen bestätigen sollte. Rosis Reaktion war ihm seltsam vorgekommen. Beinahe so, als wüsste sie insgeheim wo Gudele sich aufhielt, wollte jedoch nichts verraten. Langsam und bedächtig strich er mit der rechten Hand seinen Ziegenbart entlang, während er darüber nachdachte wie er der jungen Frau wohl am besten ihre Geheimnisse entlocken konnte. Schlussendlich hatte er einen Plan. Er bedeutete den anderen dass er gleich wieder kommen würde und schlenderte anschließend zur Theke, wo Rosi gerade damit beschäftigt war, mehrere Biere hintereinander zu zapfen. Als sie ihn bemerkte, hielt sie kurz in der Bewegung inne, was beinahe zur Folge hatte, dass sie eine beträchtliche Menge Bier auf den Boden verschüttete. Im letzten Moment jedoch gelang es ihr das Glas mit der alkoholischen Flüssigkeit so abzustellen, dass nur ein paar Tropfen daneben gingen. „Oh verzeiht der Herr, habe ich etwa übersehen dass Euer Glas bereits leer ist?” Argon gab sich alle Mühe, sein charmantestes Lächeln aufzusetzen. „Keineswegs die Dame. Ich komme nur um euch zu fragen, ob Ihr nach Eurer Schicht wohlmöglich dazu einwilligen würdet, gemeinsamen mit mir einen kleinen Spaziergang zu unternehmen? Ich beobachte Euch und Eure Schönheit bereits den gesamten Abend lang und würde mich freuen wenn Ihr mir die Chance geben würdet, Euch ein wenig besser kennen zu lernen.” Von einer Sekunde auf die andere wurde Rosi rot im Gesicht und begann damit, nervös zu kichern. Ein Lächeln stahl sich auf ihre Lippen, als sie antwortete: „Oh guter Herr, ich weiß nicht. Ich denke nicht, dass mein Vater begeistert darüber wäre, wenn ich mit einem Mann von außerhalb Zeit verbringen würde.” Argon war amüsiert über die Herausforderung, die sich ihm darbot. „Habt keine Sorge, es wird nur ein kurzer Spaziergang sein. Euer Vater braucht davon nichts zu erfahren.” Rosi’s Gesichtsfarbe wurde noch röter und ihr Grinsen um ein Stück breiter als sie schlussendlich einwilligte, nach ihrem Dienst in der Kornstubn einen Spaziergang mit Argon zu unternehmen.

Je weiter der Abend fortschritt, desto unbehaglicher wurde Conlai zumute. Irgendetwas stimmte hier nicht. Wo blieb Gudele nur? Er kannte sie. Niemals würde sie die Schenke unter der Obhut einer jungen Kellnerin lassen. Dazu hatte sie viel zu wenig Vertrauen in andere….es sei denn, sie war gerade dabei an einem anderen Ort einen Diebstahl zu begehen. Vielleicht in dem Heim einer der momentan in der Schenke anwesenden Familien? Er musste es wissen. Er musste unbedingt herausfinden, ob er sich tatsächlich so in der Zwergin getäuscht hatte, die er nun schon so lange zu kennen glaubte. Da traf er einen Entschluss. „Gudele lebt in dieser Schenke. Sie hat ihr Zimmer rechts hinter der Theke. Dort müssen wir hinein gelangen, vielleicht finden wir dadurch Hinweise darauf, wo sie sich des Nachts herum treibt.” Frida, Inaya und Frumold starrten ihn ungläubig an. „Conlai, bist du dir sicher dass du das möchtest?”, hakte Frida nach. „Ich sehe keine andere Möglichkeit”, entgegnete der alte Mann nur. In diesem Moment trat Argon zurück an den Tisch und berichtete den anderen, dass er Rosi aus der Schenke lotzen und befragen würde. „Wunderbar”, sprach Conlai. „Das kann unsere Chance sein.”

About Kessy

ist Pflegekraft, Musikerin, Zockerin, aber vor allem ist sie eine Träumerin, die in ihrer eigenen kleinen Welt lebt. Auf Mittelalterfesten mutiert sie gerne mal zu einer Elfe. Ihre Lieblingstiere sind Drachen und Einhörner. Wenn sie liest, dann sind das meist Fantasy-Romane. Um andere Leute an ihrer Fantasie-Traum-Welt teilhaben zu lassen, schreibt sie Geschichten und Abenteuer im Reich des schwarzen Auges.

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