Teil 2 – Auf in den Kosch

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Es kam Frida vor, als wäre es bereits eine halbe Ewigkeit her, seit sie von ihrer Heimat, den Windhager Bergen, Richtung Kosch aufgebrochen war, um dem Hilferuf eines Fremden zu folgen.

Zielstrebig marschierte sie den Pfad entlang. Ihre langen, gelockten Haare wehten im leichten Wind hinter ihr und ihre großen Augen waren auf ein noch unsichtbares Ziel vor ihr gerichtet. Auf Fridas Schulter hockte die Kröte Balduin, welche seit ihrem 12.Lebensjahr ihr ständiger Begleiter war. Frida war eine Krötenhexe, allerdings war sie auch noch weit davon entfernt, ihre Fähigkeiten perfekt zu beherrschen und hatte noch sehr viel zu lernen.

Bei ihrem Aufbruch war sie fest entschlossen gewesen, etwas Gutes und Heldenhaftes zu wagen. Diese Entschlossenheit war jedoch nach und nach der Erschöpfung und der Frustration gewichen. Schon als sie ihren geliebten Wald verlassen hatte, hatte sie sich allein und unsicher gefühlt. Die letzten Tage in Einsamkeit hatten nicht gerade dazu beigetragen, dass sie sich besser fühlte.

Einzig die Verbindung zur Natur, die sie durch jeden Schritt, den ihre nackten Füße auf dem Grasboden machten, fühlte, trieb sie dazu an, weiter zu gehen und nicht dem Impuls der in ihr loderte, zu folgen.

Der Impuls, einfach umzudrehen und zu dem Haus ihrer Ziehmutter Walpurgia zurück zu laufen. Wann immer das Bedürfnis nach Umkehr stärker wurde, blieb Frida kurz stehen, atmete einige Male tief durch, zündete sich eine Pfeife an und setzte ihren Weg fort. Sie hielt sich ihr Ziel immer wieder vor Augen. Ihr Ziel war es, zu Conlai zu gelangen und ihm dabei zu helfen, den Kosch vor Gefahren zu beschützen. Die junge Krötenhexe wollte ihre Ziehmutter und Lehrmeisterin stolz machen und den Hexen zu einem besseren Ruf verhelfen.

Müde und durstig setzte sie sich auf den nächsten Stein und betrachtete ihre Umgebung. Um sie herum konnte sie nur Ackerland und den Feldweg, auf dem sie gekommen ist, sehen. Diese Felder sahen gut bewirtschaftet aus, obwohl Frida keine Menschenseele beim Arbeiten sah, was vermutlich daran lag, dass es noch sehr früh am Morgen war. Die Sonne würde bald den Horizont hinauf klettern. Frida hatte beschlossen nicht viel zu schlafen und stattdessen die Nacht über durchzugehen. Sonst konnte sie sich nicht sicher sein ob sie es überhaupt noch rechtzeitig zum vereinbarten Zeitpunkt nach Altenbrück schaffen würde.

Frida betrachtete den Weg, der vor ihr lag. Er schien bis in die Unendlichkeit zu führen. Sie streckte sich, fuhr sich durch die lange, gelockte Mähne und holte ihre Feldflasche hervor, um einige kräftige Schlucke Wasser daraus zu nehmen. Müde seufzend setzte sie ihren Weg fort.

Nach einem ungefähr zwei stündigem Marsch konnte die junge Krötenhexe etwas erkennen, dass aus der Ferne betrachtet die Koschberge hätten sein können. Ein letztes Mal beschloss sie, eine kurze Rast einzulegen, um danach voll frisch getankter Energie den hoffentlich letzten Teil ihrer Reise anzutreten. Als sie sich gerade hingesetzt, ihre Pfeife mit Tabak gefüllt und angezündet hatte, hörte sie auf einmal Schritte hinter sich. Erschrocken wirbelte Frida herum. Im ersten Moment, als sie die Ursache dieser Schritte erblickte, vergaß sie zu atmen. Vor ihr stand ein großer, junger Mann mit kurzen schwarzen Haaren, einem Stoppelbart und dem Grund von Fridas kurzzeitiger Atempause. Er hatte einen intensiven, stechenden Blick. Dieser Blick wirkte erschreckend, geradezu unheimlich. Die Krötenhexe wollte ihn ansprechen, doch aus ihrem Mund kam nicht mehr als Gestotter. Der Unbekannte betrachtete sie kurz, bevor er anfing zu sprechen.

„Rondra zum Gruße, schöne Frau. Es ist schön eine andere Menschenseele hier draußen anzutreffen! Seit Tagen bin ich alleine unterwegs, mir ist schon richtig langweilig geworden. Mein Name ist Dorian und wer bist du?“ sprach er sie an. Es dauerte noch einen kurzen Moment bis Frida ihre Stimme wieder finden konnte. „Die Zwölfe zum Gruße, werter Herr. Mein Name ist Frida. Ich komme aus den Windhager Bergen und bin auf den Weg in den Kosch.“ Eigentlich wollte sie weiter sprechen, aber da hatte Dorian sie auch schon unterbrochen. „Du bist aus den Windhager Bergen? Wie schön. Auch ich komme aus der Gegend. Genau wie du bin ich auch auf dem Weg in den Kosch. Lass uns doch gemeinsam weiter gehen, schließlich sind wir Landsmänner. Ich bin mir sicher, wir werden uns gut verstehen“ Dorian wirkte sehr zufrieden, jemanden gefunden zu haben, der den selben Herkunftsort wie auch den selben Zielort hatte, wie er. Frida war diesem Angebot gegenüber zunächst sehr misstrauisch, doch schon schon bald wurde ihr bewusst, dass sie alleine vielleicht niemals oder wenn doch, dann viel zu spät, den richtigen Weg finden würde. Also beschloss sie, Dorians Angebot anzunehmen und somit machten sich die beiden gemeinsam auf ihren weiteren Weg. Bald wurde ihnen klar, dass sie beide aus dem selben Grund auf dem Weg in den Kosch waren. Sie beide hatten Conlais Gesuch gelesen und beschlossen, dem Fremden zu helfen.

Schicksalhafte Begegnung

Inaya war nun schon seit einigen Tagen zu Fuß unterwegs und kämpfte sich durch die teilweise überwucherte Wildnis. Als Entwucherungs-Hilfsmittel verwendete sie ihren Magierstab, welcher lang genug war, um alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen, ohne dabei zu nahe an eventuelle Stachel zu geraten.

Sie war noch nie so nahe am Kosch gewesen. Obwohl Inaya eine Elfe war, war sie dennoch in der Stadt aufgewachsen und demnach viel ihr die Fortbewegung in der Natur etwas schwer, dennoch liebte sie es, von Bäumen und Blüten umgeben zu sein.

Während ihrer Ausbildung zur Graumagierin auf der Akademie hatte sie sehr vieles gelernt, aber ganz bestimmt nicht, wie man sich am besten an Dornenranken vorbei schlängelt, ohne sich dabei diverse Wunden zuzuziehen. Ohne genau zu wissen, wo sie sich befand, konzentrierte sie sich darauf, voranzukommen. Ihre grünen Augen leuchteten vor Entdeckungslust, als sie einen den Weg versperrenden Strauch nach dem anderen bezwang.

Der Tag neigte sich langsam dem Ende zu. Es begann zu dämmern, die untergehende Sonne tauchte den Himmel in die verschiedensten Rottöne. Für das normale, menschliche Auge würde das Licht nicht mehr ausreichend lange anhalten, um sich in der unbekannten Natur zu orientieren, doch da die Graumagierin auch eine Elfin war, blieb ihr noch etwas länger Zeit. Dennoch war ihr durchaus bewusst, dass es selbst ihr nicht möglich wäre, sich in stockdunkler Nacht vorwärts zu bewegen, deswegen war es auch für sie langsam, aber sicher, höchste Zeit, um wieder auf einen richtigen Weg zurück zu finden.

Inaya hatte jegliches Gefühl dafür verloren, wie lange sie nun schon in der Natur umher irrte und hatte sich damit abgefunden, die Dunkelheit abzuwarten, bevor sie weiterziehen konnte. Doch plötzlich hörte sie Geräusche. Diese Geräusche klangen wie Stimmen und schienen nicht weit weg zu sein. Die junge Graumagierin wollte dem schleunigst auf den Grund gehen. Wie schön wäre es, endlich mal wieder einer anderen Menschenseele zu begegnen. Je näher sie der Geräuschkulisse kam, desto deutlicher konnte sie sie zuordnen. Es handelte sich um eine weibliche und eine männliche Stimme. Die beiden schienen sich zu unterhalten. Die Unterhaltungen wurden untermalt vom Prasseln eines Feuers. Vermutlich saßen sie um ein Lagerfeuer, bereiteten sich etwas zu essen zu und hatten sich einen Schlafplatz aufgebaut. Inaya beneidetete die Fremden um Beides.

Sie näherte sich den Stimmen, bis sie schlussendlich auf eine kleine Lichtung stolperte. Das Bild vor ihr war, wie sie es erwartet hatte. Ein junger Mann und eine junge Frau, die an einem Lagerfeuer saßen, sich unterhielten und gebratenes Fleisch in den Händen hielten.

Lagerfeuer
Frida und Dorian haben Feuer gemacht

Bevor Inaya etwas sagen konnte, hatten die beiden sie auch schon erblickt, waren aufgesprungen und hatten ihre Waffen gezogen. Die junge Frau hatte langes, braun gelocktes Haar, einen entschlossenen Blick und hielt schützend einen Dolch vor sich. Der junge Mann hatte ein Schwert gezogen. Er richtete es zwar nicht direkt auf Inaya, aber man konnte erkennen, wenn es notwendig sein würde, wüsste er ganz genau, wie er seine Waffe schnell und effektiv schwingen müsste. Und seine Augen. Er hatte einen Blick, der Inaya einen kalten Schauer über den Rücken jagte. Sie konnte den Fremden nicht lange ansehen.

Die Graumagierin war irritiert. Sie verstand nicht, wieso diese Fremden so auf sie reagierten. Auch wenn sie durchaus am ganzen Körper zerzaust war und deutlich mitgenommen aussah, erkannte man dennoch die Magierrobe, die sie trug. Diese Robe wies sie als ehrenwerte Absolventin der Akademie von Lowangen aus.

Der Fremde mit dem äußert unangenehmen Blick begann zu sprechen: „Was macht Ihr hier? Falls Ihr uns etwas stehlen wollt, vergesst es und zieht weiter, wir tragen nichts von Wert bei uns.“ Inaya war empört über diese Anschuldigung und entgegnete ihm: „Wie könnt Ihr es wagen so mit mir zu sprechen? Ich bin eine Graumagierien. Wenn ich euch etwas antun wollte, hätte ich das schon längst gemacht. Also behandelt mich mit dem mir gebührenden Respekt oder lernt die Konsequenzen kennen.“

In diesem Moment begann die Unbekannte mit der Lockenmähne zu sprechen: „Seid vorsichtig mit den Drohungen, denn magische Fähigkeiten habe ich auch und auch ich hätte kein Problem damit, sie einzusetzen, falls ihr uns einen Anlass dazu geben solltet.“

Inaya war verwundert. Offensichtlich war sie nicht die einzige Magierin in der Runde. Sie versuchte ein weiteres Mal die Situation zu klären: „Bitte hört mir zu. Ich habe wahrhaft keine bösen Absichten. Ich habe mich lediglich verirrt und darauf gehofft bei euch etwas zu Essen und einen Schlafplatz für diese Nacht zu bekommen, damit ich mich morgen Früh meinen Weg in den Kosch fortsetzen kann, sofern ich diesen jemals finde. Ich bitte euch die Waffen zu senken, damit wir in Ruhe ein Gespräch führen können.“

Eine kurze Zeit lang herrschte angespanntes Schweigen zwischen den Dreien. Langsam senkten die beiden Fremden ihre Waffen. „Nun gut“ sprach die Unbekannte. Mein Name ist Frida, das hier ist Dorian“ Sie deutete auf ihren Begleiter. „Wir sind ebenfalls auf dem Weg in den Kosch. Wenn Ihr wirklich nur unsere Hilfe braucht, dann sei Euch diese gewährt und wir setzen uns gemeinsam ans Feuer und können über alles in Ruhe sprechen.“

About Kessy

ist Pflegekraft, Musikerin, Zockerin, aber vor allem ist sie eine Träumerin, die in ihrer eigenen kleinen Welt lebt. Auf Mittelalterfesten mutiert sie gerne mal zu einer Elfe. Ihre Lieblingstiere sind Drachen und Einhörner. Wenn sie liest, dann sind das meist Fantasy-Romane. Um andere Leute an ihrer Fantasie-Traum-Welt teilhaben zu lassen, schreibt sie Geschichten und Abenteuer im Reich des schwarzen Auges.

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